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Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung … oder … In der Hölle wird gescheuert!

In der Hölle wird gescheuert 240

Weil in der Hölle geputzt wird, ist der Teufel auf die Erde gekommen, wo er trotz des heißen Sommertages erfriert. Ein Naturhistoriker entdeckt den erfrorenen Teufel und bringt ihn aufs Schloss von Baroness Liddy, wo er wieder zu sich kommt.

Weil sich der Teufel auf dem Schloss so langweilt, will er ein bisschen Verwirrung stiften und etwas Böses anstellen. Deshalb kauft er Herrn von Wernthal dessen Braut ab, die schöne Liddy, und verspricht sie dem üblen Freiherrn von Mordax, der dafür dreizehn Schneidergesellen ermorden muss. Als weiterer Bewerber Liddys tritt der ehrliche Herr Mollfells auf den Plan, der sich jedoch wegen seiner Hässlichkeit nicht traut, sich Liddy zu offenbaren.

Als der Teufel ein neues Hufeisen auf seinen Pferdefuß schlagen lassen muss, erkennt der Schmied, mit wem er es zu tun hat und erzählt alles dem pfiffigen und stets besoffenen Schulmeister. Der Schulmeister lässt nun einen Käfig im Wald aufstellen, in dem er sechzehn Kondome als Köder auslegt.

Prompt geht der Teufel in die Falle, während Herr Mollfels die Intrige des Freiherrn von Mordax vereitelt. Liddy wird gerettet. Des Teufels Großmutter befreit den Teufel und nimmt ihn mit zurück in die Hölle, wo das Scheuern inzwischen beendet ist und der dampfende Kaffee schon auf dem Ofen wartet. Und der treue Herr Mollfels darf nun endlich Fräulein Liddy heiraten.

Grabbes vollkommen überdrehtes Lustspiel ist voller satirischer Seitenhiebe auf die zeitgenössische Literatur. Jedoch durchaus auch gesellschaftskritisch als Karikatur einer verkehrten Welt. In einer turbulenten Mischung aus Situationskomik, Rüpel- und Saufszenen, Slapstick, Satire und Groteske lässt sich das Stück in keine der klassischen Komödien-Formate einordnen.

Viele der Anspielungen auf damalige Verhältnisse lassen sich mühelos in die moderne Zeit übertragen. Und was damals banale Unterhaltungsliteratur war, ist sie heut auch noch … unfassbar vergrößert durch das Medium Fernsehen. Der Rang von Grabbes Werk ist unbestritten, auch wenn es vor Kalauern, Plattitüden und Studentenscherzen nicht zurückschreckt. Eine tiefere Bedeutung sucht man allerdings vergebens … auch wenn die Forschung dem Stück durchaus nihilistisch-verzweifelte oder politisch-utopische Tendenzen attestiert. Und einen ehrlichen Angriff gegen Oberflächlichkeit, Geldgier, Selbstsucht und Borniertheit.

Was das Stück zeitlos symphatisch macht, ist die Liebe zu den Figuren. Alle Personen sind liebenswert, nett, putzig und süß … sogar die Schurken und der Teufel. Die Komödie - der viele Kritiker eine verzweifelte Bitterkeit unterstellen - durchzieht eine ungewöhnlich freundliche und positive Menschenliebe. Denn am Schluss wird alles gut. Das Böse ist niemals wirklich böse … und selbst der Teufel muss am Ende von seiner Oma abgeholt werden, weil's Zeit zum Kaffeetrinken ist.

Das Stück ist aber vor allem eine Mords-Gaudi und ein Riesen-Spaß. Ein Lustspiel, das vor nichts und niemandem zurückschreckt. Eine fröhliche Parodie aller Räuber- Entführungs- Hochzeits- und Verwechslunskomödien dieser Welt. Und die Faust-Festspiele Pegnitz präsentieren das tollkühne Stück als atemlose Nummernrevue. Knallbunt, witzig, frech und turbulent. Zum Totlachen komisch!