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Faust-Festspiele: Molière-Stück begeistert die Pegnitzer

DSCN6251Mit "Schlau, schlau, die Frau" haben die Pegnitzer Faust-Festspiele den zweiten Klassiker ihrer Startsaison auf die Bühne gebracht – eine schräge und streckenweise bitterböse Adaption der Molière-Komödie "Die Schule der Frauen", an der nicht nur Stand-up-Comedians ihre helle Freude haben dürften.

Er ist wieder da. Frankreichs größter Komiker ist von den Toten auferstanden und spielt in Pegnitz Freilicht-Theater. Jedenfalls beinahe. Das Gag- und Grimassen-Feuerwerk, das Sven Schenke als verhinderter Frauenversteher Arno in "Schlau, schlau, die Frau" zündet, erinnert ganz stark an den 1983 verstorbenen französischen Erzkomödianten Louis Germain David de Funès de Galarza, kurz Louis de Funès – und das ist gut so, denn dessen Molière-Deutungen haben bis heute etwas Modellhaftes, Nachahmenswertes.

Festspiel-Intendant und Regisseur Daniel Leistner, der vor etwas über einer Woche auf der Open-Air-Bühne am Pegnitzer Schlossberg als seelisch zerrissener Sinnsucher Heinrich Faust brillierte, zieht sich in "Schlau, schlau, die Frau" auf die Rolle des besten Freundes der Hauptfigur zurück: Ein Stichwortgeber, der erst gegen Ende des Stückes zum Strippenzieher wird. Leistner hat zwar die Sprache der Molière-Vorlage radikal modernisiert, verzichtet aber darauf, seine analog zum Faust stark gekürzte und auf das Wesentliche komprimierte Fassung der "Schule der Frauen" in die Jetztzeit zu transferieren.

Die Geschichte von Arno, der sich ein Mädchen zwecks späterer Heirat "heranzüchten" lässt, das nach seinen Plänen folg- und anschmiegsam, aber naiv bis zur Dummheit sein soll, bleibt im 17. Jahrhundert verankert. Nicht zuletzt, weil sie im Zeitalter elektronischer Medien kaum funktionieren würde. Und weil sich Arnos Vision einer Frau, die dem Mann in jeder Hinsicht untertan sein soll, längst überholt hat.

Die 20-jährige Agnes, von Melina Rost durchaus zwischentönig differenziert und mit hauchfeiner, zielsicher eingesetzter Ironie verkörpert, zeigt sich sowieso deutlich klüger und gewitzter, als sie es nach Arnos "wissenschaftlichem" Langzeitplan sein dürfte. Dumm aber auch, dass ihr die Nonnen in dem Kloster, in dem Agnes erzogen wurde, das Lesen beigebracht haben.

Es kommt, wie es kommen muss: Bevor Arno sein "Experiment" heiraten kann, taucht ein junger Galan auf und verdreht Agnes nachhaltig den Kopf. Uwe Vogel, der als Mephisto dämonische Erotik versprühte, wirkt als Horatio eher freundlich denn draufgängerisch und in der Endabrechnung eine Spur zu brav.

Was gleichwohl in ein Konzept passt, in dem der Rest des Ensembles sowieso nur Staffage für den dominierenden Hauptdarsteller ist: Sven Schenke stolpert und springt, zuckt unter vorgeblichen Herzanfällen, wird von seinen geistig minderbemittelten Hausangestellten, allen voran Obertölpel (brillant und herrlich doof: Georg Mädl) ein ums andere Mal verprügelt und begreift dennoch nicht, dass er als eingebildet Klügerer eigentlich permanent der Dumme ist.

Screwball-Comedy vom Feinsten, bei der man eigentlich nur noch den Mini-Dialog vermisst, mit dem das große Vorbild Louis de Funès in die Film- und Theatergeschichte einging: "Nein!? – Doch!! – Ohh!!!". Denn ansonsten ist Schenke kongenialer Geistesbruder des großen kleinen Franzosen und teilt mit ihm den Mut zur hemmungslosen Übertreibung.

Sehr ansehnlich auch das aus einheimischen Kräften rekrutierte Statistenensemble, das mit sichtlichem Spaß in die Rollen des trotteligen Gesindels schlüpft und dem quirlig temporeichen Treiben ein knallbuntes I-Tüpfelchen aufsetzt. Da vergisst man beinahe den hartnäckigen Regen und die herbstlichen Temperaturen, die das Theatervergnügen an diesem Premierenabend deutlich schmälern.

Der Begeisterung des Publikums kann das Mistwetter jedenfalls nichts anhaben, es gibt ganz viel spontanen Zwischenapplaus und am Schluss stehenden Beifall, der gar nicht mehr enden will. Weitere Vorstellungen bis Anfang September, Spielplan und Ticket-Info gibt es hier.

Hans von Draminski; Nordbayern.de